Christian Huber, „Solange ein Streichholz brennt“

Ein erstaunlicher Roman ist das Buch von Christian Huber. Alina befürchtet, von ihrem Fernsehsender gekündigt zu werden, stattdessen jedoch soll sie als Co-Mitarbeiterin bei einem neuen Format des berühmten Jakob dabeisein. Als Intro dazu soll sie eine Dokumentation erstellen, indem sie einen Obdachlosen eine Woche begleitet und dessen Welt zeigt. Jakob würde dieses Intro dann in der Show weiter verfolgen.

Das liest sich gut und Bohm, der Obdachlose, der mit Alina in Kontakt kommt, scheint geeignet, denn er wird als intelligent und überlegt dargestellt, so dass das Klischee des Obdachlosen, der irgendwie vielleicht auch selbst schuld hat, schon mal nicht bedient wird.

Das Buch ist total spannend geschrieben, es reizt dazu, in einem Zug durch“gesuchtet“ zu werden.

Aber genau da ist der Knackpunkt: der Roman beginnt reflektiert und verspricht eine gewisse Tiefgründigkeit. Doch dann nimmt die Spannung und die schnelle Lesbarkeit überhand, ein Klischee reiht sich an das andere und am Ende ist alles in Butter. Alina ist kurz in Jakob verknallt, fühlt sich aber auch von dem feinfühlig dargestellten Bohm angezogen, ohne es zu wollen.

Mehr kann ich hier nicht verraten.
Wer ein spannendes Buch zu einem grundsätzlich sehr relevanten Thema lesen möchte, ist mit diesem Roman bestens bedient. Die Schilderung der Welt Bohms berührt und scheint auch realistisch, das ist wirklich gelungen. Eine Durchdringung des Themas aber fehlt, wer das sucht, wird hier nicht fündig.

Christian Huber, Solange ein Streichholz brennt, dtv, 23 Euro