Endlich erschienen: der neue Roman von Lisa Quentin „Die Bernsteinfischerin“

Schon vor Monaten konnte ich das neue Buch als Leseexemplar lesen, nein, veschlingen und bin nun um so erfreuter, dass ich es endlich besprechen und vor allem empfehlen kann.

„Die Bernsteinfischerin“ erzählt von einer Forscherin, die eine Inkluse gefunden hat. Inklusen sind in Bernstein eingeschlossene Tiere und Pflanzen, Millionen von Jahren alt.  Das Besondere an der von Julika Gefundenen ist, dass eine zweite Hälfte fehlt.

Julika, ohnehin gestresst von einem Leben mit kranker Mutter und überfordertem Vater, macht sich auf die Suche nach der zweiten Hälfte und findet in Niendorf an der Ostsee Ebba. Ebba bildet den zweiten Strang dieses üppigen Romans und darin erzählt Quentin von einer Frau, die mit ihrer Familie aus dem Samland nach Schleswig-Holstein geflüchtet ist. In Niendorf bauen sich Ebbas Eltern eine Existenz mit der Vermietung von Ferienunterkünften auf. Ebba entflieht dem familiären Tun, den Erwartungen an sie und der eintönigen Arbeit zuhause durch ihre Kunst, sie malt. Inspiriation dazu findet sie am Wasser, wo sie auch ihren späteren Mann kennenlernt.

Der Roman erzählt vom Eigensinn zweier Frauen und dieses ist, obwohl in vielen Romanen das Thema, hier durch die Einbettung in Wissenschaft, Kunst und das Leben am Meer, spannend und ganz „neu“. Ich wusste nichts über Bernsteininklusen und die Wissenschaft darüber und habe viel gelernt. Sehr interessant fand ich aber auch die anhand von Ebbas Eltern nachvollziehbare Entwicklung Niendorfs vom kleinen Ostsee-Fischerdorf zum beliebten Touristenort. Die Geschichte der großen Liebe Ebbas gibt dem Roman noch den kleinen Schuss Extrawärme dazu, denn auch hier geht es um das Bewahren des eigenen Weges Ebbas. Die Begegnung der jungen Julika mit der über 90-jährigen Ebba ist daher natürlich spannungsreich und bewegend.

Das Buch erlahmt an keiner Stelle, spachlich ist es variantenreich und liebevoll dem Detail zugewandt, viele Erkenntnisse Julikas und auch Ebbas beschreibt Lisa Quentin unprätentiös und präzise. Sie entgeht vollkommen dem Kitsch, der in dieser Geschichte Platz gefunden hätte – hier jedoch nicht. Ein richtig guter Schmöker!

Daher: große Leseempfehlung für Menschen, die eine wunderbare Geschichte „mit Inhalt“ verbunden mit guter Unterhaltung lesen möchten.

Lisa Quentin, „Die Bernsteinfischerin“, Rütten und Loening, 22 Euro