Simon Urban „German Glück“

Wie eine Art Schelmenroman erschien mir das neue Buch von Simon Urban „German Glück“. Abseits der großen Städte befinden wir uns in einem Luxusresort an der Mecklenburgischen Seenplatte und begleiten eine Reihe skurriler Figuren, die sich dort tummeln.

Hotelchefin Caroline leitet das Eden Sealand Resort Fünf Sterne Superior, obwohl sie davon träumt, Chefin der Residenz der Kette in Miami zu werden. Sie gibt wirklich alles und hat eine enorm begabte Assistentin an ihrer Seite, die sich in der Umgebung bestens auskennt.  Das Geschäft ist hart:

Als Endgegner kamen heutzutage noch die Online-Rezensionen der Gäste im Netz dazu. Die Saunaaufgüsse „Anmutige After Hour“ und „Offenbarung des Orients“ müssen heute leider ausfallen? Der Wellnessbereich müffelt mal wieder nach Abfluss? Ein Zimmer ist eine Stunde zu spät bezugsfähig, dazu fehlt die französische Rosmarinhandseife mit geprägtem Hotelschriftzug, die so gerne geklaut wird, um damit zuhause anzugeben?

Diese Seife, muss Caroline feststellen, wurde leider mit dem falschen Namenszug geliefert, statt „Eden“ steht „Ende“ darauf. Ein Menetekel? Immerhin gibt es Anzeichen, dass die Kette etliche Dependancen schließen will.

Wir erleben eine Vielzahl verschiedener Charaktere, die irgendwie alle im Umbruch sind.  Das Ganze vor dem Hintergrund eines örtlichen Personenkreises, der über beste Strippenzieherfähigkeiten verfügt, die schon zu DDR-Zeiten hilfreich waren.

Der Roman liefert eine tolle Menschenschau und lebt von seinen sehr differenziert dargestellten Menschen – eine Freude.

Simon Urban „German Glück“, Kiepenheuer und Witsch, 24 Euro