Dana Grigorcea – Tanzende Frau, blauer Hahn

Ein hintergründges Buch ist der neue Roman der fantastischen Dana Grigorcea. „Tanzende Frau, blauer Hahn“ erzählt von Menschen, davon, wie junge Menschen die älteren beobachten, er erzählt von unbeschwerten Sommern und einer Kindheit auf dem Dorf. Roxana, in Bukarest ansässig, besucht in den Ferien die Verwandten im kleinen Ort Busteni am Rande der Karpaten. Roxana liest am liebsten, Camil, aus einfacheren Verhältnissen stammend, ist ihr allerbester Freund und hält sie auf dem Laufenden über die Geschichten, die in ihrer Abwesenheit im Dorf vor sich gegangen sind. Nur kurz werden die beiden später auch ein Paar.

Vorherrschend sind die Geschichten, die Roxana über die verschiedenen Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes zu erzählen weiß und die tief in die Ceausescu- Ära führen, die in Roxanas Kindheit noch nicht lange vorüber ist. Die Transition der rumänischen Gesellschaft ist in vollem Gange und spiegelt sich in den Geschichten der Menschen, von denen einige Gewinner sind, andere aber auch zurückbleiben. Die Kinder wachsen gemeinsam auf, aber beispielsweise Ana-Maria mit ihrem zweibeinigen Hund bleibt in ihrem unterpriviligerten Kreis verhaftet, die Unterschiede bleiben lange sichtbar.
Der Freiheitsbegriff findet so einen ganz eigenen Niederschlag, auch übrigens in der Rahmenhandlung, in der eine Schriftstellerin mit dem vorliegenden Text in Begleitung eines Pianisten auf Lesereise geht.
Die Abgründe, die sich auftun hinter der sommerlich luftigen Erzählweise, erschließen sich ganz allmählich beim Lesen und am Ende bleibt das Gefühl zurück, dass sich da wirklich etwas entwickelt hat im Laufe des Buches und die Lesende ganz viel Neues erfahren hat.

Ein großartiger Roman, der lange nachwirkt.

Dana Grigocea, „Tanzende Frau, blauer Hahn“, Penguin Verlag, 22 Euro