Ganz überaus wunderbar ist das neue Buch von Meike Winnemuth, aus dem sie am 16. März im Haus Eden lesen wird. Diese Veranstaltung ist leider ausverkauft, aber wir planen eine weitere Lesung im Herbst.
Aber nun zum Buch:
Einen ganzen Sommer lang geht Meike Winnemuth der Frage nach, warum uns Lesen eigentlich so glücklich macht. Wir begleiten sie bei ihrer Lektüre, die sie am Ende jedes Monats schön auflistet, so dass die Gefahr besteht, sich als Lesende sofort alles auf einen Stapel zu legen, um es auch zu lesen.
Und genau darin liegt ein Geheimnis dieses Buches – es ist sowieso in winnemuthscher Manier wahnsinnig humorvoll und ganz frei geschrieben – vor allem aber macht es Lust auf noch mehr Bücher und noch mehr Zeit im Lesesessel.
Warum kann Lesen so glücklich machen, warum gibt es Zeiten, in denen Bücher plötzlich keine große Rolle spielen im Leben, und gibt es Unterschiede in der Rezeption von Büchern, liest Du eigentlich das gleich Buch wie ich?
Meike Winnemuth widmet sich diesen und weiteren Fragen aus ganz persönlicher Sicht, aber untersucht sie auch unter Zuhilfenahme verschiedener Untersuchungen und Erkenntnisse aus wieder anderen Büchern. Dabei erfreuen die Zitate und Textstellen das Leser/innenherz, weil plötzlich Erklärungen für die eigene „Sucht“ ins Leben treten.
Überhaupt: dieses Buch lebt davon, das Lesen, die Bücher, das Versinken in andere Welten im ganz realen Leben zu verankern. Meike Winnemuth verknüpft ihre Erkenntnisse mit eigenen Reisen, zum Beispiel nach England und den Besuchen verschiedenster Formate, in denen es ums Thema geht und die ihr quasi gerade über den Weg laufen. Und gleichzeitg sitzen wir mit ihr vor ihrem Flurbücherregal gegenüber der Sitzbank zum Schuhe-Anziehen und greifen zu einem Reclam-Heft, nämlich Adalbert Stifter „Bergkristall“ und lesen ein paar Seiten.
Sehr amüsant auch die Challenges, denen sich die Autorin ja als Journalistin immer schon gewidmet hat (beispielsweise ein Jahr nur ein Kleid, ein blaues, zu tragen). Eine im neuen Buch geschilderte ist die, jeden Monat in der Buchhandlung gegenüber ein Buch aus dem Schaufenster zu kaufen, über das sie nichts weiß und noch nichts gelesen hat. Herrlich. Und dann wird natürlich auch noch die Frage der „Kanons“ erörtert, also welche Bücher „muss“ man, laut dem Kanon XY, denn gelesen haben. Meike Winnemuths Haltung dazu ist klar, oder?
Gönnen Sie sich Freude, lesen Sie dieses Buch.
Meike Winnemuth, „Eine Seite noch“ , Penguin Verlag, 22 Euro