Wir kennen die Autorin vom Roman „Die Trophäe“, der von einem Großwildjäger erzählt und extrem krass ist und großartig geschrieben ist.
Das neue Buch ist oberflächlich betrachtet leichtfüßiger, aber nicht weniger durchdringend und extrem klug. 20.000 Elefanten werden vom botswanischen Präsidenten nach Deutschland gesendet, weil der Kanzler, Winkler mit Namen, ein Gesetz durch den Bundestag gebracht hat, welches den Import von Trophäen nach Deutschland unterbinden soll. Der botswanische Präsident erlebt das als neuen Kolonialismus und möchte mit dem Geschenk zeigen, wie sich das auswirkt, wenn andere Staaten Gesetze beschließen, die sie nicht nur selbst betreffen.
„Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben“, sagt der Präsident von Botswana, „vielleicht solltet ihr einfach mal selbst versuchen, mit Megafauna zurechtzukommen. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, Deutschland zwanzigtausend Elefanten zu schenken.“
Die Elefanten leben zunächst in Berlin und werden dann auf die Bundesländer verteilt, um die Lasten gleichmäßig zu schultern. Die ersten Firmen erkennen ein Geschäftspotential in der Vermarktung der Ausscheidungen der Elefanten, die gut zu einem sehr potenten Dünger verarbeitet werden können. Winkler selbst versucht, die Elefantenanwesenheit für seine Zwecke zu nutzen. Wir bewegen uns also durch die Niederungen der bundesdeutschen Politik, die miesen Tricks und ich-bezogenen Handlunsgweisen, die nur dem Erhalt der eigenen Macht dienen. Natürlich ist die ganze Geschichte auch als eine einizge Allegorie lesbar, denn auch hier sind „die Rechten“ die Treiber von Entscheidungen, nicht etwa sachliche Erwägungen. Auch Fragen der Gleichberechtigung blitzen auf- die Elefantenmininsterin, die schnell ernannt wird, erinnert Winkler wissend daran, dass Frauen „nur in Krisenzeiten solche Spitzenjobs angeboten“ bekommen, „wenn das Risiko zu scheitern groß ist.“ Da allerdings hat er sich in der Wahl der Ministerin schwer getäuscht….
Ein herrliches, bissiges, entlarvendes Gedankenspiel auf wenigen Seiten, das ein Lesehochgenuss ist.
Gaea Schoeters, „Das Geschenk“ aus dem Niederländischen von Lisa Mensing, Zyolnay Verlag, 22 Euro